Über diesen Blog

 

Träger dieser Blogs ist die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie. Der verantwortliche Herausgeber ist Prof. Harald Walach.

Dieser Blog finanziert sich ausschliesslich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden von Ärzten. Großspenden von Firmen oder Einzelpersonen gehen nicht in die Finanzierung ein. Der Blog unabhängig von irgendwelchen Firmeninteressen oder -meinungen. Der Herausgeber ist redaktionell unabhängig.

Prof. Dr.Dr.phil. Harald Walach

ist Professor an der Medizinischen Universität Poznań in Poznań, Polen (Abt. pädiatrische Gastroenterologie http://pedgastro-en.ump.edu.pl/aktualnosci/welcome-professor-walach), wo er Forschungsmethodik und Achtsamkeit unterrichtet und sich mit der Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren beschäftigt und Gastprofessor an der Universität Witten-Herdecke, wo er philosophische Grundlagen der Psychologie unterrichtet. Er hat in  klinischer Psychologe (Basel 1992) und Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte (Wien 1995) promoviert und hat sich mit einer Reihe von Studien zur Homöopathieforschung in Freiburg habilitiert (1998). Seit seiner Diplomarbeit („Homöopathie als Basistherapie“ 1986) befasst er sich mit Homöopathieforschung („Wissenschaftliche Homöopathische Arzneimittelprüfung“ 1992; „Wissenschaftliche Untersuchungen zur Homöopathie“ 2000). Er hat zahlreiche Arbeiten zur Homöopathieforschung publiziert, aber auch viele andere wissenschaftliche Untersuchungen (siehe seine Homepage mit vollständiger Vita und Publikationsliste unter http://harald-walach.de/).

Meine Zielsetzung und Philosophie in diesem Blog:

Homöopathen stehen mir kritisch gegenüber, seit ich mit der „Münchner Kopfschmerzstudie“ (1997) die klinische Studie  zur Homöopathie mit dem vermutlich „schlechtesten“ Ergebnis einer klinischen Studie in der Homöopathieforschung publiziert habe. Für mich war diese Studie eine wichtige Erfahrung. Denn sie gehört zu den vermutlich am besten kontrollierten in der ganzen Forschungsliteratur. Sie zeigte mir: Was auch immer an der Homöopathie funktioniert, es ist kein klassisch-kausaler Effekt wie wir ihn von der Pharmakologie kennen. Meine Arzneimittelprüfungen auf der anderen Seite lehrten mich, dass wohl irgendein spezifischer Effekt vorhanden sein muss. Weil ich nicht bereit bin, in den allgemeinen intellektuellen Abgesang einzustimmen, der die Homöopathie für eine Unmöglichkeit und daher für Unfug erklärt, bin ich der Lieblingsfeind der Skeptiker, die mir deswegen Unwissenschaftlichkeit unterstellen. Beide Seiten, Befürworter und Skeptiker, scheinen mir die Situation nicht ganz richtig einzuschätzen: Bekennende Homöopathen ignorieren gerne die Inkonsistenz in den wissenschaftlichen Befunden. Skeptiker und Kritiker nehmen die vielen positiven und verwirrenden Befunde nicht zur Kenntnis und argumentieren meist aus einer Position, die davon ausgeht, dass unser momentaner Kenntnisstand über die Welt eine kausale Wirkung von Homöopathie kaum denkbar erscheinen lässt. Das stimmt zwar, ist aber eine wisssenschaftshistorisch und –philosophisch extrem schwache Position. Denn wissenschaftlicher Fortschritt ist noch immer dadurch erfolgt, dass man Befunde ernst nahm, die zunächst nicht in das herrschende Weltbild passten. Insofern ist die Homöopathie, aus meiner Sicht, eine wissenschaftstheoretische und –philosophische Anomalie, die es zu verstehen gilt. Wie kann es sein, dass Substanzen, die auf homöopathische Art und Weise hergestellt werden, solche Effekte erzeugen, wie wir sie in der klinischen Praxis sehen?

Die sparsamste Art und Weise, wie man Homöopathie verstehen kann wäre, sie als gigantische Maschinerie zur Erzeugung eines Placebo-Effektes zu verstehen. Diese Haltung ist nicht ganz dumm und weil ich den Placebo-Effekt, den man besser als Selbstheilungseffekt verstehen sollte, generell in der Medizin für unterschätzt halte, habe ich mich damit auch ausführlich beschäftigt und einiges dazu publiziert. Dennoch glaube ich nicht, dass der Placebo-Effekt als Erklärung ausreicht. Doch angenommen, er wäre es: Wäre dann nicht eine Therapie zu befürworten, die mit relativ wenig Mitteln und mit praktisch keinerlei Nebenwirkungen Selbstheilungseffekte vermitteln würden?

Dies sind die Fragen, die ich in diesem Zusammenhang interessant finde. Mich ärgert, dass die Debatte von Befürwortern und Kritikern gleichermaßen in ein fruchtloses „entweder-oder“ festgestellt ist und dass die intellektuelle Öffentlichkeit den Denkbann verhängt hat, so dass es kaum mehr möglich ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ohne dass man sich moralisch strafbar macht. Ich finde, genau das ist die Haltung, die Fortschritt, Einsicht und Verständnis verhindert und daher ist es nötig, jenseits von „pro“ und „contra“ Positionen die Komplexität der Situation für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, jedenfalls für den Teil der Öffentlichkeit, der sich nicht mit banalen Erklärungen abspeisen lassen will. Und in diesem Sinne will ich in diesem Blog Forschung zur Homöopathie sichtbar werden lassen und informierte – nachdenkliche, wohlwollende aber kritische – Stimmen zu Wort kommen lassen. Manchmal wird das meine sein. Manchmal auch andere.